Grüne Gemeinschaftsflächen

Wozu dienen die „grünen” Gemeinschaftsflächen in Kleingartenanlagen? Sind sie nur schöne Umrahmung oder notwendiges zu pflegendes Übel?
Weder noch, sie bieten viele Möglichkeiten für die Natur, die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, Inspirationsquelle für Vereinsmitglieder, Ruheoasen und Flächen zur Verwirklichung von gemeinschaftlichen Projekten.

Vorab ein Wort zu Bäumen auf den Gemeinschaftsflächen: Grundstückseigentümer sind auch Eigentümer der Bäume, wenn diese zum Zeitpunkt der Verpachtung bereits vorhanden waren bzw. nachweislich nicht von den Mitgliedern der Vereine gepflanzt wurden. Die Verkehrssicherungspflicht, Schnittmaßnahmen und ggf. Rodungen obliegen dann den Grundstückseigentümern. In allen anderen Fällen trägt der Verein die Verkehrssicherungspflicht. Eine Kontrolle der Bäume auf Stand- und Bruchsicherheit, sollte vom Vorstand mit dem Fachberater regelmäßig durchgeführt und in einem Baumkataster protokolliert werden. Bei Zweifeln an der Sicherheit ist es sinnvoll einen Experten (Baumsachverständigen) zu Rate zu ziehen.

Besorgniserregende Anzeichen am Baum sind:
  • Absterben der Krone oder größerer Teile
  • äußerlich erkennbare Fäule, vor allem im Stammfußbereich und am Kronenansatz
  • Auftreten von Pilzfruchtkörpern
  • kein Dickenwachstum des Stammes
  • ungewöhnlich starkes Dickenwachstum zwischen den Wurzelanläufen
  • Aufwölbungen des Stammfußes
  • querlaufende, deutlich erkennbare Bodenrisse

Zu beachten sind bei Pflegemaßnahmen neben der Gehölzschutzsatzung auch, dass Schnittmaßnahmen bis in das alte Holz nur bis Ende Februar gestattet sind. Formhecken können auch danach geschnitten werden, hier ist auf brütende Vögel zu achten. Das ist auch in der Sächsischen Rahmenkleingartenordnung RKO unter 5.3 festgehalten:

„Beim Heckenschnitt ist unbedingt entsprechend Sächsischem Naturschutzgesetz zu beachten, dass im Zeitraum vom 1. März bis 30. September keine Gebüsche, Hecken o. ä. (außer Formhecken z. B. Buchsbaum, Liguster) zu schneiden, roden oder zu zerstören sind. Gleiches trifft für Bäume zu, es sei denn, es wird eine Ausnahmegenehmigung erteilt.”
Ausnahmegenehmigungen können online bei der Stadt Dresden im Umweltamt, Abt. Stadtökologie, SG Gehölzschutz / Bauordnung unter www.dresden.de beantragt werden (Anliegen „Bäume: Anträge & Schutzmaßnahmen”; Beratung, Anträge & Genehmigungen).

Auch wenn die Meinungen zu der momentan gültigen RKO weit auseinander gehen, ist es wichtig, sie konsequent einzuhalten. Die Gartenordnungen der Vereine dürfen den Festlegungen der RKO nicht widersprechen und sollten auch auf den Gemeinflächen Berücksichtigung finden. Dies ist der wirkungsvollste Schutz vor Angriffen, die auf die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit der Vereine und damit auf die Pachtobergrenze und den Kündigungsschutz der Pächter nach Bundeskleingartengesetz zielen.

Gerade für Neupächter ist es schwierig zu erkennen, welche Anpflanzungen im „Nachbargarten” wegen Bestandsschutz noch erlaubt sind, aber von ihnen nicht mehr gepflanzt werden dürfen. Hilfestellung, können hier Schaupflanzungen mit Beschriftung auf den Gemeinschaftsflächen bieten. Auch „Alte Hasen” lassen sich z. B. auf der Suche nach Ersatz für Abgrenzung von einer auf Gemeinschaftsflächen gepflanzten Hecke aus verschiedenen im Kleingarten zugelassenen Pflanzen, wie z. B. Alpenjohannisbeere, Falscher Jasmin, Sommerjasmin, Rote Heckenkirsche, Hibiskus, Spirea, Sanddorn, Apfelbeere, Maulbeere, Brombeere, Himbeere, Johannisbeere, Stachelbeere inspirieren.

Selbst Totholzhecken, die eine gute Möglichkeit zur Verwendung von Gehölzschnitt sind und zugleich zahlreichen Nützlingen Unterschlupf bieten, können dem Auge des Betrachters schmeicheln, wenn sie unter ästhetischen Gesichtspunkten gebaut und bepflanzt werden.

Beschriftete Schaubeete zu verschiedenen Themen wie Duftpflanzen, Teepflanzen, Kräuterpflanzen sind nicht nur bei den Neugärtnern beliebt. Durch die öffentliche Zugänglichkeit der Gemeinschaftsflächen haben auch Anwohner aus der Umgebung die Möglichkeit mehr als nur Schnittlauch, Petersilie und Salbei kennenzulernen.

Insektenhotel
Insektenhotel in der KGA „Sachsenwerk”

Die Gemeinschaftsanlagen bieten häufig auch Platz für Biotope, die in den einzelnen Gärten kaum realisierbar sind. Wie schon, die o. g. Hecke, die als Staub- und Lärmfilter, sowie als Wind- und Erosionsschutz dient. Ist sie auch ein Nahrungsspender und Rückzugsort für Vögel und kleine Säugetiere.

Steinhaufen, punktförmig oder langgezogen, mit der dazugehörigen Vegetation haben viele ökologische Vorteile. Sie sind Lebensraum für nützliche Insekten, Amphibien, Reptilien und Säugetiere wie z. B. Igel. Hier finden u. a. diverse Hummelarten Brutplätze. Die Steinhaufen sollten aus möglichst landschaftstypischen Steinen bestehen und so angelegt werden, dass viele Hohlräume entstehen. Diese dienen als Unterschlupf und Winterquartier.

Auf einer Naturwiese finden bis zu viermal mehr Vogelarten Nahrung als auf einem normalen Rasen. Durch die Pflanzenvielfalt wird vielen Insekten Nahrung angeboten. Zum Umwandeln eines gepflegten Rasens in eine Naturwiese mit bis zu 50 verschiedenen Pflanzen braucht es etwas Geduld. Zum Abmagern des Bodens kann Sand und Kalk gestreut werden, Wildblumen- oder Magerrasenmischungen können unterstützend eingesät werden, die Mahd ist nur zweimal im Jahr nötig.

Das Aufstellen von in gemeinschaftlicher Arbeit entstandenen Insektenhotels auf der Wiese oder Anbringen von Nistmöglichkeiten für unterschiedliche Vogelarten bietet viele Beobachtungsmöglichkeiten.

Lehrpfade, wie z. B. in der KGV zur Aue über Wildobstarten oder Sinneswege lassen sich ideal an Gemeinschaftsflächen die entlang von Hauptwegen liegen einrichten. Ein Sinnesweg ermöglicht Kindern und Erwachsenen ihr Wahrnehmungsvermögen, den Gleichgewichtssinn und die Bewegungskoordination zu trainieren. Geht man den Parcours mit den verschiedenen Untergründen, wie Sand, Mulch, Moos, Gras, Rundhölzern, Holzbohlen, Kieseln, barfuss und mit geschlossenen Augen, vermittelt der Weg die meisten Reize. Zusätzlich kann der Sinnesweg mit einem Handlauf ausgestattet werden, um gehbehinderten Menschen mehr Laufsicherheit zu bieten. Bänke für Besucher oder für ausgedehnte Fachsimpeleien werden gern angenommen.

Hilfe zu Bauanleitungen für Nistkästen, Insektenhotels, Totholzhaufen bietet u. a. der Landesverband Sachsen auf seiner Internetseite und Unterstützung bei der Pflanzenauswahl kann u. a. die AG Fachberatung der Dresdner Gartenfreunde geben. Kontakt über den Stadtverband E-Mail: kontakt@dresdner-gartenfreunde.de oder Tel.: 0351/8 04 34 50.

Viel Kreativität beim Planen und fleißige Helfer beim Umsetzen der Ideen werden benötigt, wenn neue Wege beschritten werden sollen.

A. Krüger