BLAUKORN aufs Korn genommen

Blaukorn ist ein rein mineralischer Volldünger, der Phosphor, Kali, Stickstoff und andere Spurenelemente enthält. Da Blaukorn ein Granulat ist, ermöglicht es Vorratsdüngung, weil sich die kleinen Kügelchen erst nach und nach auflösen und so fortlaufend Nährstoffe abgeben.
Jahrzehntelang waren rein mineralische Kunstdünger wie Blaukorn auch bei Hobbygärtnern sehr beliebt. Aber...

Die großen ABER gegen Blaukorn

Wie sich bei Bodenuntersuchungen immer wieder herausstellt, sind Gartenböden nur allzu oft überdüngt ? mit drei negativen Folgen:

  1. Bei nicht vorschriftsmäßiger Düngung mit Blaukorn kommt es leicht zur Überdüngung. Ist der Boden überversorgt, so wird der nur schwer speicherbare Stickstoff als Nitrat bis ins Grundwasser ausgewaschen. Schon allein deshalb darf Düngemittel nicht nach Gutdünken ausgestreut werden. Das ist zum einen ungesetzlich und bedeutet zum anderen ?weggeschwommenes? Geld.
  2. Blaukorn enthält keinerlei organisches Material zur Humusbildung und fürs Bodenleben und die Bodenstruktur. Ein gesundes Bodenleben und ein ausreichender Humusanteil sind aber die Voraussetzung für nachhaltige Fruchtbarkeit. Die Bodenlebewesen ernähren sich von organischem Material und bauen es zusammen mit mineralischen Bodenbestandteilen zu Humus um. Dadurch entsteht ein stabiles, speicherfähiges Krümelgefüge. Außerdem werden durch die biologische Aktivität Nährstoffe aus toten organischen Materialien herausgelöst und für die Pflanzen verfügbar gemacht.
  3. Durch gesunde Besiedlung des Bodens mit Mikroorganismen werden pflanzenschädliche Keime zurückgedrängt. Weil der rein mineralische Dünger keine organische Substanz enthält, sterben die Mikroorganismen ab, und mit ihnen schwindet langfristig dramatisch die Bodenfruchtbarkeit.

Wer dennoch nicht ganz auf Blaukorn verzichten will, der sollte unbedingt beachten:

  • Weniger ist mehr! Blaukorn muss immer sparsam eingesetzt werden.
  • Wer Samen aussäen oder Pflanzen frisch pflanzen möchte, sollte den Dünger bereits drei Wochen zuvor ausbringen, damit der Boden die Nährstoffe schon aufnehmen kann.
  • Generell ist es ratsam zu überlegen, ob man anstelle von Blaukorn nicht lieber auf einen natürlichen Dünger zurückgreift.

Wo hat der Einsatz von Blaukorn eine Berechtigung?

Außer für den Rasen kann Blaukorn während des Wachstums bei Obst und Gurken oder Tomaten und für chloridempfindliche Pflanzen wie etwa Erdbeeren sparsam verwendet werden. Nach dem Düngen sollte ausreichend bewässert werden.

FAUSTREGEL: Besser biologische Dünger statt Kunstdünger!

Die Herstellung von Kunstdünger basiert auf Erdöl und ist sehr energieaufwändig. Mit Kunstdünger gelangen auch Schadstoffe in den Boden. Besonders die darin enthaltenen Phosphate binden sich gern an Schwermetalle, die in geringen Mengen stets im Boden vorhanden sind. Gelangt das giftige Schwermetall in den Körper, reichert es sich bevorzugt in den Knochen an. Dies kann verschiedenste Krankheiten auslösen. Blaukorn ist durch den hohen Gehalt von Kali, Phosphor und Stickstoff für kleine Kinder und Tiere giftig. Nehmen sie das ?blaue Gift? auf, kommt es innerhalb kürzester Zeit zu Krampfanfällen, Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen. Das kann tödlich enden.

FAZIT: Phosphatreiche Dünger, darunter Blaukorn, gehören nicht in einen naturnahen Garten. Biologischer Dünger auf Kompostbasis schont die Umwelt. Er hält zudem die Nährstoffe länger im Boden. Von Düngung mit Blaukorn raten Fachleute grundsätzlich immer mehr ab. Um dem Boden zusätzlich Stickstoff zuzuführen, raten sie dazu, ausreichend Kompost oder anderen organischer Dünger (Stallmist, Guano, Rizinusschrot, Hornspäne, Pflanzenjauche oder Malzkeimdünger) zu verwenden.

Das mögliche Dilemma eines Hobbygärtners

Für einen Hobbygärtner, dessen Gartenboden durch jahrelange Gaben von mineralischem Volldünger wie Blaukorn mit Kali und Phosphat mehr als ausreichend versorgt ist, tut sich jedoch ein Problem auf. Er dürfte nämlich für einige Jahre diese Nährstoffe gar nicht mehr zuführen. Organischer Dünger wie Kompost enthält aber reichlich davon.

Anfrage im Internet

?Hilfe, kann es sein, dass ich mit dem Ausbringen von Blaukorn einen Fehler gemacht habe?? Fakt ist, überall da, wo ich das Blaukorn gestreut habe, sterben die Pflanzen ab! Sie sehen wie verbrannt aus. Weiß jemand Rat??

Somit hat der Hobbygärtner die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:

  • durch Düngen den Nährstoffgehalt des Bodens noch mehr zu erhöhen, wodurch er pflanzenschädliche Konzentrationen riskiert,
  • oder einige Jahre auf Düngung zu verzichten, bis sich die teilweise Überdüngung des Bodens wieder normalisiert hat.

Das klingt vielleicht sehr drastisch, aber es ist Grund genug, spätestens jetzt mit der Anwendung von Düngern wie Blaukorn Schluss zu machen! Vertrauen Sie lieber auf den guten alten Kompost. Der kostet Sie nichts extra, steht immer zur Verfügung und enthält im Allgemeinen ausreichend Phosphat, Kali und Spurenelemente. Außerdem ist er als organische Substanz bereits von sich aus belebt.

Aber auch mit organischem Dünger sollte man es nicht übertreiben, denn auch dabei kann es zu einer Überversorgung kommen. Es ist deshalb ratsam den Boden hin und wieder untersuchen zu lassen.

Beitrag: W. Krannich